Die woke Filmindustrie, oder: Der Oscar geht an Politische Korrektheit!

Politische Korrektheit

Der Streaming-Dienst Netflix vermeldete zum Ende des ersten Quartals 2022 einen Verlust von 200.000 Abonnenten. Kurz darauf erlebte der Streaming-Anbieter einen historischen Aktienkurseinbruch von 20 Prozent. Elon Musk, CEO von Tesla, führt dies auf nur einen Grund zurück: Netflix habe sich das „Woke-Virus“ eingefangen. Die Vermutung, dass die krampfhafte Politische Korrektheit in Filmen und Serien für die sinkenden Abonnentenzahlen verantwortlich ist, teilt nicht nur Musk. Immer wieder fällt das Zitat: “Get Woke, Go Broke.”

Trotz zahlreicher Spekulationen über die Gründe für die sinkenden Kundenzahlen bei Netflix zeigt sich der offensichtliche Trend hin zu woken Inhalten. Doch was bedeutet „woke“? „Woke” ist ein Ausdruck aus den 1930er Jahren für „erwachtes Bewusstsein gegen die Diskriminierung von Minderheiten“. Kurz gesagt: Diversität steht an erster Stelle.

Gesellschaftlich relevant ist es, gegen soziale Ungerechtigkeiten vorzugehen. Dennoch zeigt sich aktuell in der Filmindustrie ein gefährlicher Trend: Filmemacher erhalten Preise, weil sie Diversity-Richtlinien einhalten, nicht aufgrund ihres künstlerischen Beitrags.

Politische Korrektheit im Kino: Bereits bei der Oscar-Verleihung in 2014 deutete sich diese Entwicklung an

Bereits bei der Oscar-Verleihung 2014 deutete sich diese Entwicklung an, als die Oscar-Akademie den Film „12 Years a Slave” als besten Film auszeichneten. Die Gastgeberin Ellen DeGeneres eröffnete den Abend scherzhaft mit den Worten: „Es gibt zwei Möglichkeiten, wie der Abend laufen kann. Möglichkeit Nummer eins: 12 Years A Slave wird Bester Film. Möglichkeit Nummer zwei: Ihr seid alle Rassisten.“ Kurze Zeit später stellte sich heraus: Tatsächlich hatten nicht alle Stimmberechtigten den Film gesehen und gaben zu, ihn aufgrund der gesellschaftlichen Relevanz gewählt zu haben.

2020 verkündete die Oscar-Academy, dass der Oscar für den besten Film nur noch an Werke verliehen wird, die sogenannte Diversity-Kriterien erfüllen. Die Filmakademie führte ein Regelwerk ein, das Minderheiten sichtbarer machen soll. Eine Regel besagt beispielsweise, dass einer der Hauptdarsteller oder 30 Prozent der Nebendarsteller einer „unterrepräsentierten Gruppe“ angehören müssen. Hierzu zählen Asiaten, Hispanics, Native Americans oder Menschen mit Behinderungen. Auch wenn sich der Film thematisch um eine dieser Gruppen dreht, wird die Regel als erfüllt betrachtet. Dies ist nur eine von vielen Regeln.

Filme bilden nicht nur die Realität ab, sondern schaffen auch Realität. Es ist wichtig, Minderheiten zu integrieren, um Bewusstsein und Sichtbarkeit zu schaffen. Doch dies sollte zum Plot passen und freiwillig geschehen. Politische Korrektheit sollte nicht im Fokus stehen.

Meiner Meinung nach ist es nicht förderlich für die queere Szene, wenn ein diverser Charakter nur ein Requisit für Diversität ist. Also, wenn eine homosexuelle Rolle alle Klischees bedient und nur auffällig gezeichnet ist, um woke zu sein, ohne dass seine Homosexualität für den Verlauf der Geschichte relevant ist.

Die woke Filmindustrie verfehlt ihr eigentliches Ziel

2021 zog Amazon Studios mit ihren „Diversity Guidelines” nach. Das Unternehmen fordert explizit: „Es sollen nur noch Schauspieler engagiert werden, deren Identität (Geschlecht, Geschlechtsidentität, Nationalität, Ethnizität, sexuelle Orientierung, Behinderung) mit den Figuren, die sie spielen, übereinstimmt“. Das bedeutet, eine homosexuelle männliche Rolle kann nur noch von einem schwulen Mann gespielt werden. Bedeutet dies auch, dass Mörder nur noch von Mördern gespielt werden dürfen? Und etwa Zombies nur noch von Zombies? 😉 Auch wenn das Motiv – die Sichtbarkeit von Minderheiten zu stärken – meiner Meinung nach wichtig ist, verfehlt die Umsetzung dieses Ziel.

Das bedeutet, dass Filmschaffende bei Vorstellungsgesprächen die sexuelle Orientierung abfragen. Filmschaffende führen also Listen mit „Rasse“ und sexueller Zugehörigkeit?

Diese Forderung hat nichts mit Schauspielerei zu tun. Schauspielkunst zeichnet sich dadurch aus, dass man in andere Charaktere schlüpft und die Rollen authentisch verkörpert. Filme wie „Brokeback Mountain” oder „Joker” wären nicht mehr denkbar. Der Regisseur Sidney J. Furie sagte treffend während der Produktion seines Films „Ipcress”: „Wenn ich einen guten Schauspieler habe, habe ich einen echten Metzger. Wenn ich einen richtigen Metzger habe, versteift er sich vor der Kamera und ich habe einen schlechten Schauspieler”.

Politische Korrektheit greift zu stark in die künstlerische Freiheit ein

Kunst entsteht erst dort, wo Grenzen und Regeln gebrochen werden. Und bei den Leitlinien handelt es sich nicht nur um Empfehlungen. Die Studios werten diese bindenden Leitlinien aus.

Es läuft zwangsläufig auf einen Einheitsbrei hinaus. Dadurch, dass wir Diversität nicht fördern, sondern erzwingen, werden Inhalte vorhersehbar und sie verlieren an Originalität und Individualität. Die geforderte Vielfältigkeit wird konterkariert.

Doch was möchte das Publikum? Laut einer Umfrage der Weltwoche sind sich die Konsumenten darüber uneinig. Während 35 Prozent der Befragten die diverse Ausrichtung von Netflix für falsch halten, halten 30 Prozent die politische Korrektheit für richtig. Die restlichen 35 Prozent sind unentschlossen. Einschaltquoten sind allerdings ehrlicher als Umfragen, bei denen der Effekt der sozialen Erwünschtheit mitschwingt.

Im letzten Sommer brach der zweite Teil von „Top Gun“ Einspielrekorde, obwohl er ohne Diversity-Quoten auskam. Tom Cruise, ein weißer Mann, rettete die Welt. Wären die Rekorde auch gebrochen worden, wenn die Hauptfigur weiblich besetzt wäre? Das bleibt offen. Es gibt jedoch zahlreiche Beispiele, bei denen Filme mit Frauen in den Hauptrollen floppten, darunter das Remake von Ghostbusters, Batwomen und Captain Marvel. Auf der anderen Seite erzielte Luc Besson mit „Lucy” einen beachtlichen Erfolg.

Natürlich beeinflussen viele Faktoren den Erfolg, aber man kann beobachten, dass der Erfolg ausbleibt, sobald Filme und Serien offensichtlich die Diversity-Keule schwingen. Dies betrifft beispielsweise Original-Werke mit einer männlichen Hauptfigur, die in der Fortsetzung eine weibliche Rolle erhält, wobei die Figuren keine neuen Beiträge liefern, sondern lediglich eine Quote erfüllen.

Die soziokulturelle Entwicklung sollte natürlich erfolgen und nicht erzwungen werden

Das Kino hat sich immer verändert, aber in meinem aktiven Cineastenleben erscheint die Entwicklung nun als weniger natürliche und mehr von einem Regelwerk geprägt. Reaktanz regt sich bei mir. Ich möchte nicht ins Kino gehen und das Gefühl haben, erzogen zu werden. Ich wünsche mir packende, ergreifende Geschichten mit vielschichtigen Charakteren, die nicht Schwarz-Weiß, sondern menschlich sind. Ideologie hat auch im Kino nichts zu suchen.

Quellen

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