Selbstoptimierung ist in unserer Gesellschaft zu einem regelrechten Trend geworden. Überall begegnen wir Coaching-Angeboten, Büchern und Online-Kursen, die uns versprechen, unsere Schwächen zu überwinden und uns zu erfolgreichen und glücklichen Menschen zu machen.
Ich finde: Die ständige Verfügbarkeit von Coaching-Angeboten erhöht den Druck, sich selbst zu optimieren. Wir werden ermutigt, unseren Lebensstil zu verbessern, unsere Karriere voranzutreiben und uns generell in allen Lebensbereichen zu verbessern.
Selbstoptimierung als Trend
Das liegt natürlich auch an den sozialen Medien. Hier werden wir täglich mit dem perfekt inszenierten Leben anderer Menschen konfrontiert. Wir sehen Bilder von scheinbar mühelosem Erfolg, luxuriösen Urlauben und makellosen Körpern. Diese Bilder können uns das Gefühl vermitteln, dass wir in allen Lebensbereichen mithalten müssen, um glücklich und erfolgreich zu sein. Hier kommen die Coaches ins Spiel.
Stell dir vor, du hast ein berufliches Ziel vor Augen und arbeitest hart dafür. Du investierst viel Zeit und Energie in Weiterbildungen, Coachings und das Streben nach Perfektion. Doch trotz aller Fortschritte und Erfolge hast du immer wieder das Gefühl, noch mehr tun zu müssen, um wirklich erfolgreich zu sein.
Dieser ständige Druck zur Selbstoptimierung kann einen auslaugen und einem das Gefühl geben, nie zufrieden sein zu können. Ich finde, genau das suggerieren die Coaches oft!
Die Gefahren der Selbstoptimierung
Versteht mich nicht falsch! Es ist wichtig zu betonen, dass Selbstoptimierung an sich nichts Schlechtes ist. Es ermöglicht uns, unsere Fähigkeiten zu entfalten und unser volles Potenzial auszuschöpfen. Durch Selbstreflexion und den Willen zur persönlichen Weiterentwicklung können wir uns in verschiedenen Lebensbereichen verbessern. Doch es besteht die Gefahr, dass wir uns in einem permanenten Vergleich mit anderen und unrealistischen Idealen verfangen.
Dabei können Coaching-Angebote durchaus wertvolle Werkzeuge zur persönlichen Entwicklung sein. Ich habe auch schon Coachings gemacht, die mein Leben verbessert haben. Aber es könnte in uns auch das Gefühl auslösen, dass wir nicht genug sind, wenn wir nicht ständig an uns arbeiten „müssen”. Denn wenn wir uns ausschließlich auf unsere Schwächen und Defizite konzentrieren, kann dies zu einem Gefühl der Unzulänglichkeit führen.
Wir neigen dazu, uns mit anderen zu vergleichen und uns selbst als nicht ausreichend zu betrachten – selbst wenn wir bereits große Fortschritte gemacht haben.
Und natürlich könnte es auch dazu führen, dass die Coachings uns nicht helfen, sondern es verschlimmern, wenn wir an Menschen denken, die für ihre Probleme eigentlich einen Psychologen bräuchten.
Das Dilemma der Selbstoptimierung: Was ist die Lösung?
Um dieses Dilemma zu bewältigen, empfehle ich, sich bewusst Zeit für die eigene Selbstreflexion zu nehmen. Stell dir die Frage, warum du dich optimieren möchtest und welche Motivation dahintersteckt. Definiere deine eigenen Ziele und Maßstäbe, unabhängig von den Erwartungen anderer. Erlaube dir, Pausen einzulegen und einfach nur du selbst zu sein, ohne dich permanent verbessern zu müssen.
Es ist wichtig sich bewusst zu machen, dass wahre Selbstoptimierung nicht bedeuten sollte, dass wir uns permanent verändern müssen, um den Erwartungen anderer gerecht zu werden. Stattdessen sollten wir uns darauf konzentrieren, eine gesunde Balance zu finden und uns selbst anzunehmen, wie wir sind. Es geht darum, unsere Stärken zu nutzen und uns auf unsere individuellen Ziele und Werte zu konzentrieren. Man muss nicht alles wegtherapieren, sofern es nicht unser Leben negativ beeinflusst.
Tools, die helfen können
Ich nehme mir bewusst Zeit für Selbstfürsorge. Für mich ist es wichtig, auch mal abzuschalten, mich zu entspannen. Das mache ich zum Beispiel mit täglichen Spaziergängen, Gitarre üben und, indem ich Zeit mit meinen Liebsten verbringe oder einfach nur die Natur genieße. Diese bewussten Pausen helfen mir, einen gesunden Ausgleich zu schaffen und mich von dem Druck der Selbstoptimierung zu befreien.
Außerdem versuche ich, mich möglichst wenig mit anderen zu vergleichen. Achtsamkeit kann hier sehr helfen. Und ich habe hilfreiche Tools für mich gefunden, die mir im Alltag helfen, das Leben zu genießen! Vielleicht hilft dir der ein oder andere Tipp auch!
Raus aus der ständigen Selbstoptimierung: 1. Dankbarkeit zelebrieren
Diesen Tipp hast du sicher schon von Coaches gehört, auch die Positive Psychologie arbeitet damit. Dankbarkeit richtet den Fokus auf die positiven Aspekte in unserem Leben. Ich schreibe daher jeden Morgen und bestenfalls auch abends auf, wofür ich dankbar bin. Das bringt mich sofort in ein gutes Gefühl und der Tag startet angenehm statt stressig. Und: Ich nehme mir schon von Beginn an des Tages Zeit für mich.
Raus aus der ständigen Selbstoptimierung: 2. Für sich einstehen
Ich habe selbst festgestellt, dass ich eher ein harmoniebedürftiger Mensch bin. Das ist erstmal sozial, kann aber auch nach hinten losgehen. Wenn man häufig seine eigenen Bedürfnisse unterdrückt und nicht für sich einsteht, dann kann die ständige Anpassung zum einen in einer Depression enden und zum anderen ist es nicht gut für das eigene Selbstwertgefühl. Ich habe mir daher zum Mantra gesetzt, meine Meinung zu äußern und vor allem, wenn ich ungerecht behandelt werde, für mich einzustehen und es nicht runterschlucken. Auch wenn sich nichts ändern sollte, hat man zumindest für sich eingestanden und kann Konsequenzen ziehen. Das ist ein tolles Gefühl und stärkt einen immens.
Raus aus der ständigen Selbstoptimierung: 3. Grenzen setzen
Für sich einstehen geht einher mit Grenzen setzen. Dennoch wollte ich es nochmal separat erwähnen. Grenzen setzen nimmt einem niemand ab: Das können nur wir selbst. Wenn man das begreift, dann geht man in die Selbstverantwortung. Auch wenn man natürlich beachten muss, dass eine Beziehung immer zu 50/50 gestaltet ist. Beide tragen zur Hälfte die Verantwortung daran, ob es funktioniert oder nicht. Dennoch: Das Gegenüber kann nicht wissen, welche Grenzen ich habe. Daher sollten wir diese freundlich und bestimmt kommunizieren.
Raus aus der ständigen Selbstoptimierung: 4. Ziele verfolgen
„Wer nicht weiß wo er hinwill, kommt irgendwo an.” Und wenn man damit zufrieden ist, ist es auch okay. Ich habe nur für mich selbst festgestellt, dass Ziele verfolgen, mir einen Sinn gibt, und ich nicht mehr nur auf meine Umwelt reagiere und dieser „ausgeliefert” bin, sondern bewusst agiere. Und genau das gibt mir das Gefühl, dass ich mein Leben selbst gestalte, dass ich frei bin.
Raus aus der ständigen Selbstoptimierung: 5. Kleine Erfolge feiern
Oftmals vergessen wir bei allen täglichen todos und unserem großen Ziel vor Augen, die kleinen Erfolge zu feiern. Es ist wichtig, sich jeden Tag bewusst zu machen, was man schon alles erreicht hat. Und das geht am besten gemeinsam. Die Reise zum Ziel soll schließlich Spaß machen!
Auf die richtige Dosierung kommt es an
Natürlich kann es uns helfen, wenn wir reflektieren, unseren Alltag strukturieren und an uns arbeiten. Und dafür können uns Coachings und Bücher wichtige Tools an die Hand geben. Das steht außer Frage. Doch wie so oft im Leben kommt es auf die richtige Dosierung an.
Wir sollten nicht in den Strudel kommen, von Coaching zu Coaching zu rennen oder ein Selbsthilfebuch nach dem anderen zu lesen. Denn das könnte uns schnell das Gefühl vermitteln, nicht gut genug zu sein. Lasst uns auch einfach erlauben, zu sein. Sich von negativen Vergleichen und unrealistischen Standards zu distanzieren, ist ebenso wichtig.
Es ist ratsam, unsere Ziele individuell zu definieren, ohne uns nach rechts und links zu orientieren. Auf diese Weise können wir gemeinsam eine gesunde und ausgewogene Gesellschaft gestalten.
