So manipuliert dich dein Unterbewusstsein

hypnose

Laut Sigmund Freud verraten Versprecher mehr über uns, als wir denken. Aber auch nach neuesten Studien ist uns nur ein kleiner Teil wirklich bewusst. Das meiste spielt sich im Unterbewusstsein ab. Doch wie kommen wir an unser Unterbewusstsein heran? Hilft uns Hypnose dabei? Und welche Art von Mindset würde dem Einzelnen und damit auch der Gesellschaft helfen, sich in eine positive Richtung zu entwickeln? Hilft uns dabei Positive Psychologie?

Schon Sigmund Freud liebäugelte mit der Hypnose

Sigmund Freud war ein österreichischer Arzt, der für die Entwicklung der Psychoanalyse bekannt ist. Er vertrat die These, dass unser Bewusstsein nur einen kleinen Teil von uns ausmacht. Die meisten Prozesse laufen unbewusst ab und dringen nie in unser Bewusstsein vor. Das liegt daran, dass wir nicht in der Lage sind, alle Wahrnehmungen und Reize gleichzeitig bewusst wahrzunehmen. Unser mentales System muss daher selektieren und sich auf einige wenige Inhalte konzentrieren, die wir dann bewusst erleben, beispielsweise als Gedanken oder Emotionen.

Um einen Zugang zum Unbewussten zu bekommen, wandte Freud verschiedene Methoden an, z.B. vertrat er die Ansicht, dass Versprecher nicht zufällig passieren, sondern durch sie eigene Wünsche zum Ausdruck kommen. Außerdem analysierte Freud die Träume, da auch in ihnen die eigenen Bedürfnisse und unbewältigten Konflikte sichtbar werden. Eine weitere Methode, die Freud für die Psychoanalyse nutzte, war die Hypnose.

Hypnose als Therapieform

Hypnose wird heute zur Behandlung verschiedenster psychischer Probleme eingesetzt. Die Liste der Anwendungsgebiete ist lang: Nicht nur bei der Raucherentwöhnung, sondern auch bei Ängsten, Panikattacken, Depressionen und sogar beim Wunsch nach Gewichtsreduktion wird diese Therapieform eingesetzt. Seit 2006 ist die Hypnose oder Hypnotherapie, wie sie auch genannt wird, wissenschaftlich anerkannt. Doch wie wirksam ist Hypnose?

Interessanterweise haben zahlreiche medizinische Studien durch Beobachtung und Messung der Hirnströme gezeigt, dass bereits wenige Sitzungen eine signifikante Veränderung bewirken können.

Trotz wissenschaftlicher Anerkennung gibt es Vorbehalte

Dennoch scheint die Hypnosetherapie noch nicht in der Breite der Gesellschaft angekommen zu sein. Dies zeigt sich nicht zuletzt daran, dass die gesetzlichen Krankenkassen Hypnosesitzungen nur in Ausnahmefällen erstatten, obwohl die Raucherentwöhnung nicht nur dem Einzelnen, sondern auch dem Gesundheitssystem und der Gesellschaft insgesamt zugute käme.

Hinzu kommt, dass Hypnose oft mit negativen Vorurteilen behaftet ist und daher Ängste hervorruft. Doch wie läuft eine Hypnosesitzung wirklich ab? Das und vieles mehr wollte ich von Silva Schwabe wissen. Silva ist auch bekannt als „Die Orgasmusflüsterin”. Was das bedeutet, erzählt sie mir natürlich im Interview.

Interview mit Silva Schwabe – „Die Orgasmusflüsterin“

Franziska: Wie bist du zur Hypnose gekommen? Wie sieht deine persönliche Geschichte aus?

Silva: Da muss ich etwas weiter ausholen. Ich habe mal jemanden kennen gelernt, der eine NLP-Ausbildung hat. Und der hat mir eine mentale Methode gezeigt, wie man negative Gefühle aus dem Körper extrahieren kann. Negative Gefühle sind nicht nur im Kopf, man spürt sie auch im Körper. Man spürt sie vielleicht im Hals, im Herzbereich oder im Bauchbereich. Das fand ich total spannend und hat mich irgendwie angefixt, was man da alles machen kann.

Mein Beruf war Logopädin, also ich habe 12 Jahre als Logopädin gearbeitet. Das heißt, Sprache, Sprechen, Worte waren eigentlich immer mein Ding und dann habe ich gelernt, dass man mit Worten auch sehr gut Gespräche lenken kann und Menschen positiv unterstützen kann. Und dann kam dazu: Ich hatte eine sehr, sehr heftige Spinnenphobie, die wirklich extrem war: Ich konnte nicht einmal das Wort „Spinne“ laut aussprechen, weil ich mich dann schon geekelt habe. Und dann hätte ich fast einen Autounfall gehabt, weil sich eine Spinne vom Rückspiegel abgeseilt hat. Ich wäre fast gegen den Baum gefahren.

Dann habe ich gesagt: „So und jetzt ist Schluss. Jetzt musst du was unternehmen“. Ich hatte die Möglichkeit, eine Konfrontationstherapie bei einem Psychotherapeuten zu machen oder es mental anzugehen. Ja, und dann habe ich mir gedacht: „Warum Geld ausgeben für Coaching oder Hypnose? Dann mache ich gleich die ganze Ausbildung“. Als ich dann mit der Ausbildung angefangen habe, habe ich sofort gemerkt, dass das mein Ding ist.

Selbsthypnose und die Definition von Hypnose: Einblicke in die Methode

Franziska: Man kann sich also selbst hypnotisieren?

Silva: Ja, denn jede Hypnose ist eine Selbsthypnose. Du bist selbst in der Lage, dich in diesen Trancezustand zu versetzen. Ich bin nur wie ein Fahrlehrer. Ich zeige dir den Weg.

Franziska: Und was genau ist eine Hypnose und was bewirkt sie? 

Silva: Durch Hypnose bekommst du Zugang zu deinem Unterbewusstsein. Als Hypnotiseurin führe ich natürlich ein Vorgespräch, damit ich weiß, worum es dir geht. Du sagst gewisse Sätze zu deinem Thema, die ich mir notiere. So kann ich mit deinen Worten noch besser in dein Unterbewusstsein eindringen und füttere dein Unterbewusstsein mit wichtigen Suggestionen. Und manchmal gehe ich auch zum Ursprung zurück und löse das Thema schon dort.

Ablauf einer Hypnose-Sitzung und die Hypnotisierbarkeit von Menschen

Franziska: Und wie läuft dann eine Hypnose genau ab? Ich komme zu dir, lege mich auf die Couch …

Silva: Wenn du durch meine Tür kommst, begrüße ich dich erst einmal. Dann darfst du in einem schönen, bequemen Sessel Platz nehmen und wir führen ein Vorgespräch. In diesem Vorgespräch erkläre ich dir, wie Hypnose funktioniert, was du erwarten kannst und wie es sich anfühlt. Und wenn das alles geklärt ist, dann setzt du dich in meinen Sessel, das ist so ein Stressless-Sessel, also total bequem.

Dann werde ich dich in Trance versetzen. Aber ich mache das ganz langsam. Bei der Showhypnose macht man das mit einem Schnipp. So bekommst du auch Zugang zum Unterbewusstsein. Ich benutze gerne die langsame Methode und man kann fast sagen, dass ich dich mit meiner Stimme in den Schlaf wiege, so dass du dich richtig entspannen kannst. Und dann kommt der Hauptteil der Hypnose. Wenn ich dann fertig bin, dann kommt die Ausleitung aus der Hypnose.

Franziska: Ist wirklich jeder hypnotisierbar?

Silva: Grundsätzlich ja, es gibt aber Menschen, die habe ich zum Glück noch nicht hier gehabt, die sich komplett dagegen wehren. Also, man muss schon den Willen haben, sich darauf einzulassen oder einfach neugierig zu sein – das reicht.

Medizinische Hypnosen und Silvas Schwerpunkte in der Praxis

Franziska: Auf deiner Homepage schreibst du, dass du nicht-medizinische Hypnosen anbietest. Gibt es auch medizinische Hypnosen? 

Silva: Ja, das machen zum Beispiel Psychologen, Psychotherapeuten und auch Ärzte, zum Beispiel Zahnärzte. Die können dich hypnotisieren, so dass du keine Spritze brauchst, sondern nur Hypnose statt Narkose. Und dann kannst du den Schmerz ganz ausschalten.

Ich weiß, das klingt jetzt sehr abstrakt, aber es ist mit bildgebenden Verfahren wie MRT oder CT nachgewiesen, dass wir in Hypnose das Schmerzzentrum ausschalten können – komplett – man spürt nichts mehr.

Oder Psychologen arbeiten auch mit depressiven oder schwer kranken Menschen. Sobald man eine Diagnose im Sinne des ICD-11 hat, ist man im Bereich der medizinischen Hypnose.

Franziska: Was genau sind deine Schwerpunkte? Mit welchen Problemen kann ich zu dir kommen?

Silva: Ich habe mich spezialisiert auf Raucherentwöhnung, Abnehmen mit Hypnose, Lampenfiebercoaching, also alles, was mit Prüfungsangst zu tun hat, und natürlich Sexualcoaching. Ich helfe, mentale Blockaden zu lösen. Und in letzter Zeit kommen wirklich viele Leute zu mir, die ein Geldthema haben. Die das Thema drehen wollen und sagen, ja eigentlich ist Geld gut, aber ich habe da so blöde Glaubenssätze.

Die Entstehung des Namens „Die Orgasmusflüsterin“ und die Erfolgsquote

Franziska: Du bietest Sexualcoaching an und bist als „Die Orgasmusflüsterin“ bekannt. Du hast diesen Namen auch als Marke eintragen lassen. Das finde ich sehr clever und kreativ. Wie bist du darauf gekommen?

Silva: Der Name ist entstanden bei einem Interview mit Radio Gong 96.3. Die haben mich interviewt und gefragt, was Sexualcoaching genau ist und wie man sich das vorstellen kann. Da habe ich gesagt: „Naja, eigentlich flüstere ich den Leuten mit Suggestionen etwas zu und löse damit die Blockaden“. Und dann bin ich irgendwie selbst auf das Thema Orgasmusflüsterin gekommen. Ich habe gedacht, das klingt so genial und dann bin ich auf den Markennamen „Die Orgasmusflüsterin“ gekommen.

Ich möchte den Menschen bewusst machen, dass es wirklich Möglichkeiten gibt, mentale Blockaden zu lösen. Denn ich selbst hatte mit 27 Jahren eine sehr, sehr heftige Blockade in der Sexualität und kein Arzt konnte mir helfen. Da kam nur der Satz: „Ja, das ist in Ihrem Kopf, Frau Schwabe“ Und ich dann: „Toll, und wer hilft mir jetzt?“. Ich habe selbst daran gearbeitet. Es hat Jahre gedauert, wirklich, ich habe mich auf ein neues Terrain begeben und habe das Thema dann für mich lösen können.

Franziska: Und wie hoch ist die Erfolgsquote bei deiner Kundschaft? Kannst du das irgendwie abschätzen? 

Silva: Schon relativ hoch, aber es gibt natürlich auch Klienten, die sich nicht an das halten, was ich sage. Ich gebe ihnen Übungen mit oder empfehle ihnen, sich jeden Abend meine Hypnosen anzuhören, damit das Unterbewusstsein diese wichtigen Suggestionen aufnehmen kann. Und dann muss man Erfahrungen sammeln. Das heißt, wenn du ein sexuelles Problem hast und du hast nicht die Möglichkeit zu üben, dann dauert es ein bisschen.

Hypnose im Vergleich zu anderen psychotherapeutischen Verfahren

Franziska: Gut, das kennen wir auch von anderen Verfahren. Aber was genau unterscheidet die Hypnose von anderen psychotherapeutischen Verfahren? Gibt es Unterschiede?

Silva: Ja, das gibt es auf jeden Fall. Die Verhaltenstherapie zum Beispiel basiert darauf, dass man sein Verhalten bewusst ändert. Ich arbeite aber auf der unbewussten Ebene. Das heißt, wir schauen, was steckt dahinter? Welche Gefühle stecken dahinter und mit welchen Situationen ist es verbunden? Dadurch bekommt man einen viel besseren Zugang zum Unbewussten und kann es dann wirklich verändern. Bei meinen Klienten werden im Laufe der Zeit viele Dinge aus ihrem Leben immer bewusster. Es ist, als würden Blasen aufsteigen – plopp, plopp, plopp – und dann werden ihnen so viele Dinge bewusst. Und wenn man sich bewusst wird, warum es so ist, dann kann man anfangen, es selbst zu verändern. Ich sehe mich nicht als Heilsbringer, sondern ich zeige dir nur die Methode, wie du mit deinem Unbewussten arbeiten kannst und den Rest machst du selbst.

Hypnosevorurteile und ihre Aufklärung

Franziska: Hypnose ist mit vielen, zum Teil negativen Vorurteilen behaftet. Das kennst du sicher auch aus deiner Praxis. Welche Vorurteile begegnen dir typischerweise und wie entkräftest du sie?

Silva: Ich glaube, der häufigste Satz ist: „Oh, ich verliere die Kontrolle“. Darauf antworte ich: „Nein, du verlierst nicht die Kontrolle. Wenn du aus der Hypnose aufwachen willst, musst du nur die Augen aufmachen und dann bist du raus“. Hypnose fühlt sich an wie Dösen – ein Zustand zwischen Wachsein und Schlafen. Manchmal ist es auch wie eine Achterbahnfahrt: Man kommt mehr ins Bewusstsein und dann taucht man wieder ab. So ungefähr kann man es sich vorstellen.

Und viele denken auch, ich würde sie ausfragen. Und dann denke ich mir, okay, ich habe nicht so viel Zeit und was interessiert mich dein Leben? Also, nein, das würde ich nie tun und nein, ich arbeite an dem Problem mit meinen Klienten, das reicht.

Die Kraft der Worte und das Mindset für eine positive Entwicklung

Franziska: Du sagst auch, und das ist ja Teil der Hypnose, dass die Kraft der Worte und die Macht des Unterbewusstseins eine große Rolle spielen. Was meinst du konkret: Welche Art von Mindset würde dem Einzelnen und damit auch der Gesellschaft helfen, sich in eine positive Richtung zu entwickeln?

Silva: Punkt Nummer 1:

Macht euch bewusst, wie ihr mit euch selbst sprecht! Die Sprache und die Worte sind so ultrawichtig, dass man sich das wirklich bewusst machen muss. Ich meine, du kennst das wahrscheinlich selbst, dass du Glaubenssätze hast, wo du dir dann sagst: „Ist das wirklich wahr?” Hinterfrage diesen Glaubenssatz!

Warum redest du zum Beispiel immer schlecht über dich? Fang einfach mit kleinen Dingen an, versuche dich selbst zu unterstützen und zu stärken. Ich habe das zum Beispiel damals mit allen Patienten gemacht, vor allem mit kleinen Kindern, die demotiviert waren und gesagt haben: „Nein, das kann ich nicht“. Und viele haben dann gesagt: „Ja, das kannst du nicht“. Ich habe den Kindern dann gesagt: „Wir üben das und dann wirst du immer besser und besser“. Das gibt ein ganz anderes Gefühl, als wenn man immer nur auf die Fehler schaut. Man konzentriert sich auf das, was man kann. Und ich finde, wir Deutschen sind zu sehr auf Fehler fixiert. Das sollte abgeschafft werden. 

Gesellschaftliche Reflexion und Persönlichkeitsentwicklung

Franziska: Ich weiß nicht, ob du die Podcasterin kennst, aber Paula Lambert hat in einer ihrer Episoden gesagt: „Ich glaube, dass Leute, die sich mit ihren Popelproblemen beschäftigen, nicht die ganze Welt in die Luft sprengen, und wenn einige Männer oder sogar alle eine vernünftige Therapie gemacht hätten, dann gäbe es weniger Probleme“. Inwiefern stimmst du ihr zu?

Silva: Also, ich muss sagen, den ersten Teil mit den Popelproblemen habe ich nicht ganz verstanden. Der zweite Teil: Wenn sich jeder um seine eigenen Probleme kümmert, dann stimme ich voll und ganz zu. Das fängt bei den Beziehungen an: Die meisten Frauen reflektieren, merken, was schief gelaufen ist, und die Männer: gar nicht! Die gehen einfach in die nächste Beziehung, machen die gleichen Fehler wieder und denken dann: „Die Frauen sind alle doof”.

Es geht immer um das Thema „Bewusstwerden, Bewusstsein, Reflektieren”. Und auf sich selbst zu schauen: Was kann ich besser machen?

Und ja, vielleicht ist mit Popelproblemen gemeint, dass wir immer in dieser Negativspirale sind von unserem negativen Mindset – das würde ich als Popelproblem bezeichnen. Da gibt es eben mentale Methoden, die dich da rausholen können und dann lernst du selber, dich immer wieder aus dem Loch zu ziehen und eben keine Popelprobleme mehr zu haben.

Franziska: Ja, wenn wir im Kleinen anfangen, können wir auch im Großen etwas bewirken. Vielleicht hat sie das auch noch zusätzlich gemeint.

Silva: Ja, genau. 

Die aktuelle Gesellschaft in Silvas Perspektive

Franziska: Wir kommen nun zur Abschlussfrage. In drei Worten oder in einem Satz: Wie würdest du die aktuelle Gesellschaft beschreiben? 

Silva: Puh, da habe ich mir Gedanken gemacht.

Also, ich empfinde unsere Gesellschaft als sehr gespalten. Auf der einen Seite gibt es die Menschen, die eben noch in ihrem negativen Denken sind und Scheuklappen auf haben und auf der anderen Seite der Gesellschaft gibt es sehr viele, die ihren Geist öffnen und wirklich an sich arbeiten wollen, also auch in ihre Persönlichkeitsentwicklung investieren. Und das finde ich sehr schön und deswegen sage ich: „Wir haben im Moment eine sehr gespaltene Gesellschaft”.

Franziska: Super, vielen Dank dir, Silva!

Silva: Gerne.

Das Interview wurde am 9. Juni 2022 von Franziska von Lehel geführt und für die schriftliche Fassung redigiert und gekürzt.

Zur Gesprächspartnerin:

Silva Schwabe ist Logopädin, HypnoCoach und NLP-Coach, auch bekannt als – „Die Orgasmusflüsterin”:
Webseite: https://die-orgasmusfluesterin.de/
Instagram: @silvaschwabe_official
Podcast: https://open.spotify.com/show/4Fg3hry9MPeOUpYehPi41r?si=eed1b330876e4ce4

Quellen

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