Hebammenmangel & Überforderung: Wie Doulas die Lücke füllen

Doula

Die Geburt ist ein zutiefst menschliches und natürliches Ereignis. Doch statt mit Freude und Zuversicht sind viele Schwangere von Unsicherheit und Angst geprägt. Die Gründe dafür sind vielfältig – vom strukturellen Hebammenmangel bis hin zur gesellschaftlichen Entfremdung von traditionellen Unterstützungsformen. Genau an dieser Stelle setzt der Beruf der Doula an.

Was ist eine Doula?

Der Begriff „Doula“ stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet „Dienerin“. Anders als Hebammen, die eine medizinische Ausbildung durchlaufen haben und somit für die körperliche Gesundheit von Mutter und Kind verantwortlich sind, begleiten Doulas Schwangere auf emotionaler und mentaler Ebene – vor, während und nach der Geburt.

Theresa Bohlender, selbst Doula und Interviewgast in einer Podcastfolge zum Thema, bringt es auf den Punkt:

„Wir Doulas tun alles, was der Gebärenden beim Gebären hilft. Das reicht vom Dasein und Raum halten bis hin zum Massieren, Luft zufächeln oder warmes Wasser nachfüllen.“

Warum ist die Arbeit einer Doula heute wichtiger denn je?

Früher war es selbstverständlich, dass geburtserfahrene Frauen, zum Beispiel Mütter, Großmütter oder Tanten, bei einer Geburt unterstützend zur Seite standen. In der aktuellen Zeit, die von Kleinfamilien und sozialer Mobilität geprägt ist – die wenigsten Menschen leben noch in Mehrgenerationenhaushalten – fehlt oftmals diese Form der Unterstützung. Hinzu kommt der akute Hebammenmangel in Deutschland, der dazu führt, dass viele Gebärende während der Geburt nicht kontinuierlich betreut werden können.

Hier kann eine Doula diese wichtige Lücke füllen. Sie kann während der gesamten Geburt präsent sein. Allein ihre Anwesenheit gibt Sicherheit. Das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor, denn das Gefühl von Geborgenheit fördert den natürlichen Geburtsverlauf erheblich.

Was macht eine Doula konkret?

Doulas begleiten Geburten jeglicher Art – ob im Krankenhaus, im Geburtshaus oder zu Hause, ob vaginal oder per Kaiserschnitt. Die Unterstützung ist dabei ganz individuell und richtet sich nach den Wünschen und Bedürfnissen der Gebärenden. Viele Doulas, so auch Theresa, bieten Pakete an, die Vorgespräche, die Geburtsbegleitung und ein Nachgespräch im Wochenbett umfassen. Dabei geht es nicht nur um emotionale Unterstützung, sondern auch um ganz praktische Tipps. Wie kann ich mir im sterilen Krankenhausumfeld eine geborgene Atmosphäre schaffen? Welche Düfte, Musik oder Gegenstände helfen mir, mich sicher zu fühlen?

Doula und Hebamme – Konkurrenz oder Team?

Doulas ersetzen keine Hebammen, sondern ergänzen diese. Während Hebammen für die medizinische Sicherheit sorgen, kümmert sich die Doula um das emotionale Wohlbefinden. Eine klare Kommunikation und Abgrenzung der Rollen ist dabei essenziell, um Missverständnisse zu vermeiden. Theresa betont, dass sie ihre Aufgaben transparent macht, damit sie als Bereicherung und nicht als Konkurrenz wahrgenommen wird.

Fazit: Ein neues Bild von Geburt schaffen

Ein zentrales Anliegen vieler Doulas ist es, das gesellschaftliche Bild von Geburt zu verändern. Anstelle von Horrorgeschichten und Ängsten sollte die Geburt wieder als das wahrgenommen werden, was sie ist: ein natürlicher und zutiefst menschlicher Prozess. Eine Doula kann dabei helfen, diesen Weg zu gehen. Denn wer sich gut begleitet, sicher und geborgen fühlt, kann die Geburt als das erleben, was sie sein sollte: ein schöner und lebensverändernder Moment im Leben.

Mehr über Doulas erfährst du in der Podcastfolge mit Theresa Bohlender. Das Gespräch führte Franziska von Lehel am 27. April 2025. Es wurde für die schriftliche Fassung redigiert und gekürzt.

Zur Gesprächspartnerin:

Instagram: @doula.theresa.bohlender⁠
Webseite: ⁠doula-theresa.com

Quellen


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