Wie funktioniert ein glückliches Leben?

Glückliches Leben

Ein glückliches Leben ist vermutlich der Wunsch vieler Menschen. In unserer ständigen Suche nach Zufriedenheit und Erfüllung begegnen wir verschiedenen Ansätzen und Konzepten. Dazu sprach ich erneut mit Max, der uns im allerersten Interview die Bedeutung von Achtsamkeit nähergebracht hat. Max hat ein eigenes Konzept – die „4 Säulen der Triebe” – für ein glückliches Leben entwickelt. Doch was genau sind die „4 Säulen der Triebe”? Ist es sinnvoll, sich nur über den Job zu definieren? Gibt es tatsächlich die Lifestyle-Kompensation? Diese und weitere Fragen stellte ich Max im folgenden Interview.

INTERVIEW MIT Max – Thema: Glückliches Leben Führen

Franziska: In unserer westlichen Gesellschaft werden wir über unseren Job definiert. Die erste Frage beim Kennenlernen ist oft: „Was machst du beruflich?” Wie empfindest du diese Frage? 

Max: Diese Frage ist mir aus zahlreichen Dating-Situationen bekannt, und ich verwende sie selbst gerne. Ich finde sie äußerst aufschlussreich, wenn es darum geht, jemanden besser kennenzulernen. Es macht sicherlich einen Unterschied, ob jemand seit zehn Jahren als Metzger tätig ist oder seit ebenso vielen Jahren Ziffernblätter an Armbanduhren austauscht.

Die Definition durch Arbeit und die Suche nach Erfüllung

Franziska: Und definierst du dich auch über deine Arbeit? 

Max: Ja, das Wort „definieren“ ist recht schwierig. Eine Definition ist per se sehr präzise, daher kann ich mich nicht unbedingt über meine Arbeit definieren. Meine Tätigkeiten sind recht standardisiert; ich arbeite größtenteils am Computer, schreibe E-Mails, nehme an Meetings teil, telefoniere und nutze Programme. Diese vier Aktivitäten machen den Großteil der Arbeit für diejenigen aus, die am PC arbeiten. Daher würde ich nicht sagen, dass ich mich ausschließlich darüber definiere.

Franziska: Und inwiefern suchst du deine Erfüllung im Job oder besser gesagt, wie sieht für dich ein glückliches Leben aus? 

Max: Erfüllung ist auch wieder ein mächtiges Wort. Ja, die Erfüllung im Job habe ich jetzt nicht wirklich. Um das zu verstehen, muss man vielleicht meinen beruflichen Background beleuchten. Ich kam zu meinem Job nicht, weil ich es mir schon als kleines Kind gewünscht habe. Ich kam über Umwege dahin, wo ich jetzt arbeite. Mein Vater hat einen Mineralölgroßhandel und Tankstellen. Damit ich dort einsteigen kann, wenn ich Lust habe, habe ich nach der Mittleren Reife eine Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel gemacht.

Unkonventionelle Wege zu einem erfüllten Leben

Daraufhin wollte mir aber mein Ausbildungsbetrieb relativ wenig Gehalt zahlen. Daher habe ich drei Wochen später bei einer Zeitarbeitsfirma angefangen, die mich dann in die Telefonie gesteckt hat. Das ist meine jetzige Firma. Allerdings dachte ich damals, dass ich da nicht reinpassen würde. Ich bin eher ein ruhiger Typ, der nicht den ganzen Tag Gespräche führt und in der Telefonie ist das eben genau das Gegenteil.

Jedoch kann ich es jedem nur empfehlen, dass man Dinge ausprobiert, wenn man denkt, dass man sie nicht kann oder nicht dazu passt.

Auch als ich den Zivi gemacht habe, habe ich mit körperlich behinderten Menschen gearbeitet und die komplette Pflege, die Tagesplanung und weitere Tätigkeiten übernommen. Auch hier dachte ich anfangs, dass das nicht zu mir passen würde. Schließlich habe ich noch drei Monate drangehängt als Pflegehelfer und es war rückblickend betrachtet eine super Erfahrung. Man wächst über sich hinaus bzw. weiß dann, was man leisten kann, selbst wenn man sich das vorher nie hätte vorstellen können.

Glückliches Leben führen: Das Konzept der „vier Säulen der Triebe”

So landete ich letztendlich auch in der Telefonie. Bei meiner Arbeit, die ziemlich cool war, verstand ich mich sehr gut mit meinem Kollegen und rockte mit ihm die ganze Telefonie. Meinem Chef gefiel, wie ich arbeitete, und so wurde ich in das Spezialisten-Analystenteam übernommen. Seit über zehn Jahren bin ich nun dort. Das ist mein beruflicher Werdegang. Von Erfüllung im Job kann ich nicht wirklich sprechen. Natürlich ist es erstrebenswert, wenn der Job Spaß macht und genügend Geld abwirft. Erfüllung finde ich tatsächlich in meinem eigenen Konzept – den „vier Säulen der Triebe”. Wenn ich diese erfülle, bin ich glücklich.

Franziska: Das klingt sehr spannend. Was sind in die vier Säulen der Triebe für ein glückliches Leben?

Max: Ich habe mir einfach mal überlegt, was brauche ich, um glücklich zu sein und als halber Naturalist, wie ich mich da gerne bezeichne, kam ich eben auf diese vier Säulen. Sie heißen primitiv gesprochen: Jagen, Fressen, Fi**en, Beschützen. 

Ich glaube, dass diese vier Säulen zu den meisten männlichen Wesen passen und alle Säulen sind auch gleichwertig. Diese vier Säulen sollen alle gleich groß sein, damit auf diesen vier Säulen ein Fundament des glücklichen Lebens stehen kann.

Die Bedeutung von „Jagen” für ein glückliches Leben

Franziska: Was genau bedeutet „Jagen“?

Max: Damit meine ich zwei Aspekte. Der erste Aspekt ist, dass man unbedingt eine körperliche Komponente im Leben braucht. Ich glaube als testosterongesteuertes Wesen ist es wichtig, körperlich aktiv zu sein. Das muss nicht unbedingt hauptberuflich sein, aber wenn man hauptberuflich, wie ich vorm PC sitzt, dann sollte man wenigstens in seiner Freizeit Sport treiben. Das kann Boxen sein, das kann Spazieren gehen sein, egal. Nur wenn man das hauptberuflich schon macht in seinem Job, dann braucht man das natürlich nicht. Der zweite Aspekt ist, eine Passion zu haben und dieser auch nachzugehen. Das bedeutet, dass man Dinge findet, die einem Spaß machen und diesen Spaß hinterherjagt. Es sollte immer genügend Zeit da sein, um diesen Dingen nachzugehen, die einen faszinieren und die einem wirklich Spaß machen. 

Warum der Trieb „Fressen” wichtig ist

Franziska: Und das zweite war primitiv gesagt: „Fressen”. Was meinst du damit genau?

Max: Der Trieb des Fressens ist der wichtigste Trieb. Er ist der Motor eines fast jeden Säugetiers: Es sitzt nur da und sobald der Hunger kommt, muss es einfach was tun und so ist es bei uns auch. Und weil der Trieb so wichtig ist, sollte man ihn auch kultivieren. Am besten, indem man sich mit Nahrungsmitteln beschäftigt und sich die Fragen stellt: Was tut mir gut? Was bewirken gewisse Nahrungsmittel? Wie kann ich ein leckeres, gesundes und günstiges Essen zubereiten? Auch für andere. Es gibt für mich nichts Schöneres, als für andere zu kochen und den Menschen, die einem wichtig sind, eine Freude zu bereiten. Es ist eine Tätigkeit, die schon seit Ewigkeiten verübt wird und die Freude bereitet. Sie entscheidet auch, wie man altert, ob man fett, hässlich und dumm dahin vegetiert oder aktiv bleibt und macherisch in die Welt rausgeht.

Alles nur aufgrund dessen, was man isst. Und wie der Körper auf diese Nahrungsmittel reagiert. Daher ist dieser Trieb sehr wichtig und deshalb sollte man diesen Trieb wirklich zelebrieren, sich tolle Mahlzeiten kochen, eben auch lernen zu kochen. Und vielleicht auch damit spielen, also auch das Thema Achtsamkeit kommt da mit rein. Dass man zum Beispiel für eine gewisse Zeit fastet und beobachtet, was es mit der Freude aufs Essen macht oder wie das Essen dann schmeckt. Wer es schon mal gemacht hat, der weiß, dass oft nur ein Fastentag ausreicht, um den Genuss auf das Essen zu steigern.

Die Bedeutung von „Fi**en” für ein glückliches Leben

Franziska: Und jetzt zur dritten Säule: „Das Fi**en”. Was meinst du damit genau?

Max: Der Grund, warum ich die Säule primitiv als „Fi**cken“ bezeichne, hängt damit zusammen, dass der Geschlechtsakt aktiv vom Mann vollzogen werden soll, und zwar in dem Sinne, dass der Mann schon die Frau befriedigen sollte. Der Mann hat für mich auch die Pflicht darin, dem nachzugehen. Ich glaube, den Trieb selbst brauche ich nicht ausführlich erklären. (lacht) Ich schätze, jeder Mann braucht das einfach, um happy zu sein. Um eine gewisse Anerkennung zu bekommen für das, was er ist. Dieser Trieb ist auch kulturell gesehen ein sehr bedeutender Trieb. Sex bekommt man nicht geschenkt, sondern Sex muss sich immer erarbeitet werden. Das bedeutet, ich muss etwas mitbringen, um eine Frau zu überzeugen, dass sie mit mir schläft. Ich muss vielleicht ein bisschen was im Kopf haben, ich muss vielleicht ein bisschen gut aussehen, ich muss vielleicht auch ein bisschen Kohle haben und muss ein bisschen interessant sein. Und das sind alles Attribute, die auch eine Gesellschaft natürlich ausmachen. Und am Ende ist es eine große Belohnung, wenn eine Frau mit mir ins Bett geht.

Die Wichtigkeit von „Beschützen” für ein erfülltes Leben

Franziska: Und was meinst du mit dem Trieb „Beschützen“?

Max: Der Trieb „Beschützen“ ist auch ganz wichtig. Das heißt für mich, dass ich Dinge in meinem Leben habe, die wertvoll sind, nicht unbedingt im Sinne von einem Geldwert. Ein Wert, der mich zum Aufstehen motiviert und den ich verteidigen würde. Das kann eine Beziehung sein, das können Kinder sein, das kann aber auch eine Ideologie, eine Religion oder ein Verein sein. Also, dass man Dinge besitzt oder in seinem Leben hat, wo man sagt, die haben einen Wert für mich und diese müssen absolut nichts mit Geld zu tun haben.

Lifestyle-Kompensation

Franziska: Das ist sehr interessant und inspirierend. Im Zusammenhang mit der Erfüllung des Lebens spricht man häufig von der sogenannten „Lifestyle-Kompensation“. Das bedeutet: Je mehr ich arbeite, desto mehr konsumiere ich. Kannst du dieser Gleichung zustimmen?

Max: Absolut, das war bei mir nicht anders. Ich bin jetzt in Teilzeit, um eben auch aus dieser Gleichung herauszukommen. Es ist tatsächlich wie eine Gleichung zu betrachten: Wenn links der Arbeitsaufwand steht mit zehn Einheiten, dann benötigt man rechts bei der Arbeitsentschädigung ebenfalls zehn Punkte. Wenn ich aber beim Arbeitsaufwand nur vier Punkte habe, dann brauche ich auch rechts nur vier Punkte, um ein Gleichgewicht herzustellen. Wenn ich weniger gestresst und gefordert bin, dann muss ich auch nicht so viel kompensieren, um einen Ausgleich zu schaffen. Ich brauche dann automatisch weniger Fernreisen, weniger neue Klamotten, weniger fancy Nahrungsmittel oder weniger extreme Hobbys. Ich glaube fest an diese Lifestyle-Kompensation.

Die Notwendigkeit des Handelns in der Gesellschaft

Franziska: Und kommen wir jetzt noch zur Abschlussfrage: Welche Veränderung würdest du gerne in der Gesellschaft sehen? Was wünscht du dir? 

Max: Ja, sehr viele Veränderungen, aber ganz speziell würde ich sagen, dass die Leute weniger reden sollten, sondern mehr Sein oder Machen. Ich verabscheue zum Beispiel diesen Spruch, wenn jemand sagt: „Ich tue, was ich kann.” Dann kommt es mir schon hoch. Kein Mensch tut, was er kann, egal was er für eine Überzeugung hat. Ein Beispiel: Wenn jemand sagt, dass er tut, was er kann, weil er jetzt Küchenrolle mit 50% Recyclingfasern kauft. Dann ist es nicht, was er kann, sondern er macht das, was noch in seiner Komfortzone liegt, um sich selbst auf die Schulter zu klopfen, dass er doch so umweltbewusst ist. Oder wenn jemand sagt, dass ihm das Leid der Kakaobauern ganz nahe geht, aber dennoch jede Woche Schokolade isst. Die Leute glauben auch oft, dass ihnen Dinge nahe gehen, die ihnen eigentlich gar nicht so nahe gehen, weil dann würden sie ja jeden Tag weinen, aber sie reden einfach nur blöd daher.

Franziska: Mehr machen als Reden?

Max: Genau, mehr machen, also mehr ins Tun kommen. Vielleicht auch einfach weniger über die Sachen reden und einfach mal machen. Und dann kann man im Gespräch wirklich zeigen, dass einem die Flüchtlinge leidtun, weil man ihnen tatsächlich auch hilft. Aber nicht nur behaupten, dass etwas einem Leid tut, sondern auch tatsächlich aktiv werden, um zu helfen.

Franziska: Super, vielen Dank dir. 

Max: Gerne, danke dir. 

Das Gespräch führte Franziska von Lehel am 23. Januar 2024. Es wurde für die schriftliche Fassung redigiert und gekürzt.

Quellen

1 Kommentar zu „Wie funktioniert ein glückliches Leben?“

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