Der öffentliche Nah- und Fernverkehr in Deutschland: Wer kennt ihn nicht? Entweder zu spät, viel zu voll oder einfach nicht vorhanden. Dennoch soll die Verkehrswende so schnell wie möglich vollzogen werden. Eine der Maßnahmen ist die CO2-Steuer, diese wird jährlich erhöht und soll einen Anreiz schaffen, auf klimafreundlichere Alternativen umzusteigen. Laut einer Studie zeigt sich dahingehend auch ein Trend: Junge Leute, vor allem die Generation Z, wollen weniger Auto und mehr Fahrradfahren.
Der CO2-Preis SOll 2024 wieder steigen
Doch was ist mit den Menschen, die auf ein Auto angewiesen sind? 2024 trifft es die Pendler doppelt so hart: Da die jährliche Erhöhung der CO2-Steuer dieses Jahr ausgesetzt wurde, soll der CO2-Preis von 30 Euro pro Tonne auf 40 Euro pro Tonne steigen. Daher fand ich mich irgendwann mit meinem Freund auf einem Supermarktparkplatz wieder. Wir haben fremde Leute angesprochen, ob sie uns mitnehmen könnten. Und auch sie bestätigten mir, dass man im ländlichen Raum ein Auto braucht, ansonsten ist man verloren. Doch: Wie genau sieht die Lebensrealität für Menschen aus, die auf dem Land leben? Das wollte ich von Annegret wissen, die mir für ein Gespräch zur Verfügung stand.
INTERVIEW Mit Annegret aus Riegelstein ZUM THEMA CO2-STeuer
Franziska: Kannst du kurz erzählen, wie deine Lebensrealität aussieht?
Annegret: Ich wohne in Riegelstein. Das ist ein ganz kleines Dorf zwischen Nürnberg und Bayreuth. Hier sind nur ein paar Häuser und es ist hier sehr schön. Ich kann aus dem Haus gehen, kann wandern, kann laufen. Das Franken ist wunderschön zum Wandern und zum Spazieren gehen.
Aber es gibt hier halt nichts: Weder Bus noch Zug. Ich muss alles mit dem Auto erledigen. Es ist eigentlich schade, dass hier gar nichts fährt. Ich würde es nämlich nutzen.
Franziska: Du wohnst also im ländlichen Raum. Es ist keine Kleinstadt, es ist auch kein Dorf, sondern es ist eher eine Siedlung?
Annegret: Ja, es ist eine Siedlung. Ich glaube, wir haben 40 Einwohner. Es ist wirklich winzig, eine Ansammlung von kleinen Häusern.
CO2-Steuer und Spritkosten: Eine Belastung für Menschen im ländlichen Raum
Franziska: Und wie siehst du die Erhöhung der CO2-Steuer in Bezug auf die verbundene Erhöhung der Spritkosten? Welche Auswirkungen hat das speziell auf Menschen wie dich, die auf ein Auto angewiesen sind?
Annegret: Große Auswirkungen. Der Sprit ist mittlerweile so teuer, dass man sich jede Fahrt überlegt. Meine Schwester und ich teilen uns ein Auto. Es könnte sich keiner von uns beiden ein eigenes Auto leisten. Die Renten sind einfach sehr klein. Und wenn ich in die Stadt fahren muss, dann frage ich sie, ob sie was braucht oder sie fährt und fragt mich, ob ich was brauche. Meistens fahren wir auch zusammen. Und ich betreue auch noch alle 14 Tage meinen Vater und das ist auch eine Strecke von 50 Kilometern.
Es ist wirklich so, dass man sich jede Fahrt überlegen muss, sodass ich mir im Vorfeld überlege: Brauche ich das wirklich? Kann ich das eventuell mit etwas anderen verbinden? Ich find’s nicht gut, dass es für Menschen, die ein Auto brauchen immer teurer wird.
Denn Menschen, die sehr viel Geld haben, die interessiert es nicht, ob der Liter fünf Euro kostet. Für mich ist jede Erhöhung ein großes Fragezeichen. Was mache ich dann, wenn am Ende des Monats zu wenig Geld übrigbleibt, weil das Auto ja immer mehr kostet?
Erhöhte CO2-Steuer und die Herausforderungen im ländlichen Raum
Franziska: Du hast gesagt, dass es bei um die Ecke nur Häuser stehen. Bedeutet das, dass du bezüglich deiner Einkäufe auf das Auto angewiesen bist? Oder für einen Baumarktbesuch?
Annegret: Wir haben sieben Kilometer entfernt Einkaufsmöglichkeiten. Da kann man im Sommer auch mal mit dem Fahrrad hinfahren. Das ist kein Problem, aber größere Einkäufe kann man mit dem Fahrrad auch nicht machen. Und da gibt es eben zwei Läden. Aber spezielle Läden wie Apotheke, Drogerie, Baumarkt sind 22 Kilometer weg. Da ist es nicht so einfach mit dem Fahrrad hinzukommen und wieder zurück. Das ist ja doch eine ziemlich lange Strecke.
Franziska: Es gibt bei dir keine Alternativen wie Bus oder Bahn. Du bist also komplett auf ein Auto oder auf ein E-Bike angewiesen. Wobei du natürlich Recht hast: Wenn man größere Einkäufe hat, kann man dann auch nicht jeden Weg mit Fahrrad fahren, vor allem auch nicht im Winter.
Annegret: Im Sommer mache ich das gerne mal, wenn ich was vergessen habe oder für Kleinigkeiten. Aber im Winter geht es dann auch nicht.
Stadt vs. Land: Mobilitätsunterschiede
Franziska: Ich weiß von dir, dass du mal in einer Stadt gewohnt hast. Inwieweit siehst du Unterschiede zwischen Stadt und Land bezüglich der Mobilität?
Annegret: Das ist ein sehr großer Unterschied. Ich habe zehn Jahre lang in München gewohnt, wo ich zum Wandern mit der Bahn in die Berge gefahren bin. An die Seen zum Schwimmen bin ich mit der S-Bahn oder mit dem Zug gefahren. Ich konnte mit dem Fahrrad, mit dem Bus oder mit der S-Bahn in die Arbeit fahren. Es hat immer mehrere Möglichkeiten gegeben.
Ich konnte meine Kinder besuchen, meine Freundinnen, selbst meine Eltern in Nürnberg. Man hat sehr viele Möglichkeiten in der Stadt. Und das vermisse ich hier. Ich habe hier wirklich nur eine Möglichkeit, und das ist das Auto.
Mögliche Alternativen und Wünsche für ländliche Mobilität
Franziska: Welche konkreten Möglichkeiten oder Alternativen wünscht du dir für Menschen auf dem Land?
Annegret: Es gibt hier einen Bürgerbus, der nur sporadisch fährt oder gar nicht.
Ich wünsche mir daher mehr Fahrmöglichkeiten in andere Städte. Und es gibt ja mittlerweile auch Containerläden – das habe ich im Fernsehen gesehen. Es wird ein Container im Dorf aufgestellt, und da können die Dorfbewohner einkaufen.
Und da gibt es auch regionale Lebensmittel. Zusätzlich würde ich mir mehr Lieferdienste wünschen.
Franziska: Vielen Dank, dass du uns einen Einblick in deine Lebensrealität gegeben hast. Ich würde gerne noch allgemein wissen, welche Veränderungen du dir in der Gesellschaft wünscht? Was würdest du gerne in der Gesellschaft sehen?
Annegret: Ja, dass etwas mehr „Wir“ gibt, statt immer nur „Ich“. Und dass es mehr Menschlichkeit gibt. Es ist alles so „Ich-bezogen“: Hauptsache, ich habe alles, was ich brauche. Da wird oft der andere vergessen.
Was ich mir auch wünsche, ist, dass unsere Regierung ein bisschen mehr auf die Bevölkerung hört. Ich meine, die Bevölkerung zahlt die Steuern mit ihrer täglichen Arbeit und die Bevölkerung wird aber wenig gefragt, was sie für Bedürfnisse hat oder für Wünsche. Daher würde ich mir wünschen, dass ein bisschen mehr auf die Bedürfnisse eingegangen wird. Das wünsche ich mir schon lange – das ist schon seit Jahrzehnten der gleiche Wunsch.
Franziska: Vielen Dank dir für das Interview und dir noch einen schönen Tag!
Annegret: Danke!
Das Gespräch führte Franziska von Lehel am 1. Dezember 2023. Es wurde für die schriftliche Fassung redigiert und gekürzt.
Quellen
- tagesschau.de: CO2-Preis für Tanken und Heizen steigt
- focus.de: Studie zeigt, wie junge Leute in Zukunft fahren wollen
